Kosten für JD und Tmall Global Projekt in China

China-E-Commerce: Wie viel kostet ein Tmall-Global-Projekt?

 

 

 

 

Viele Unternehmen haben Interesse daran, ihre Produkte über Tmall nach China zu verkaufen. Tmall Global ist ohne Zweifel einer der besten Kanäle, um in den chinesischen E-Commerce-Markt einzusteigen.

 

Fast jeder meiner Mandanten hat mir diese Fragen gestellt: Wie viel kostet mich ein Tmall-Global-Shop-Projekt? Mit diesem Beitrag versuche ich, Ihnen einen kurzen Überblick über die Kostenaufstellung zu verschaffen. Ich möchte aber im Vorfeld darauf hinweisen, dass – anders als bei Amazon – der Aufwand sowie die Komplexität von Tmall wesentlich höher sind. Händler von Tmall sollten darauf vorbereitet sein, dass das erste Geschäftsjahr ein Investitionsjahr wird.

  

Der Tmall-Kostenblock Nummer Eins: die Tmall-Global-Kosten

 

Das sind zwei Bestandteile: Fix-Gebühr und Umsatzprovision.

 

Der Händler zahlt beide Gebühren direkt an Tmall.

 

Die aktuelle Jahresgebühr beträgt 10.000 USD; diesen Betrag muss der Händler immer vor Jahresbeginn vorauszahlen.

 

Provisionsabgaben bzw. Umsatzprovision: 3 % bis zu 6 % des Bestellwertes

inklusive Alipay-Global-Gebühr von 1 %

 

Neben diesen Kosten muss jeder Händler eine Sicherheitsgebühr zum Kundenschutz bei Tmall einzahlen. Die Sicherheitseinzahlung beträgt 25.000 USD. 

 

Diese Sicherheitseinlagen werden vor dem Vertragsabschluss bezahlt und nach dem Vertragsende zurückgezahlt. Sie dienen dazu, dass Tmall im Streitfall darauf zurückgreifen kann, sodass diese Einzahlung als Schadenersatz dient.

 

  

Der Tmall-Global-Kostenblock Nummer Zwei: Agenturkosten

 

 

In der Regel sollte der deutsche Händler und Hersteller eine lokale Agentur (TP) beauftragen, den Tmall-Shop zu betreiben. Die lokale Agentur übernimmt die Vollaufgaben. Dazu zählen Bestellungsbearbeitung, Reklamationsmanagement, Promotion-Planung, Online Marketing, Kundenbetreuung, Shop-Entwicklung, Datenanalyse, Merchandising, Shop-Optimierung, Business Intelligence, Visual Design usw.

 Die meisten Agenturen akzeptieren ein sogenanntes Revenue Share Model. Man kann das Projekt in zwei Phasen unterteilen.

 Phase Nummer Eins ist die Setup-Phase. Sie dauert i. d. R 2 bis 3 Monate und wird teilweise von der Erfahrung bzw. Kapazität des deutschen Händlerteams maßgeblich beeinflusst. Die Aufgaben in der Setup-Phase beinhalten Shopfront Setup sowie Systemintegration. Die Gesamtkosten je nach Aufwand liegen bei etwa 15.000 EUR bis zu 40.000 EUR.

Phase Nummer Zwei ist die Operativphase. Agenturen rechnen meistens mit monatlichen Fixkosten sowie einer Umsatzbeteiligung.

 Monatliche operative Kosten: 5.000 – 12.000 EUR

 Umsatzprovision: 8 % – 14 %

 Faktoren wie z. B. Service Level, genauer Leistungsumfang oder Anzahl der SKUs sind bei der Kostenkalkulation maßgeblich entscheidend.

 

P. S.: Es gibt natürlich Agenturen, deren Angebotspreise unter oder über diesem Rahmen liegen. Bekannte sowie große Agenturen sind in der Regel teurer.

 

Der Tmall-Global-Kostenblock Nummer Drei: Online-Marketing-Kosten

 

  

Diese Kosten werden für Performance-Marketing-Kanäle eingesetzt, z B. CPC, CPS sowie CPM auf Tmall. In der Regel betragen sie 10 % bis 25 % des geplanten Umsatzes. Die Kosten werden in der Regel vom Tmall-Verkäufer (dem Mandanten) getragen. Erfahrungsgemäß geben Händler weniger aus als Hersteller, da die Marge des Händlers geringer als die des Herstellers ist. Manche Hersteller investieren gerne mehr für Marketing, da sie es als eine langfristige Investition ansehen.

   

Der Tmall-Global-Kostenblock Nummer Vier: Versandkosten und Zollkosten

 

Tmall-Global-Verkäufer müssen die Pakete über CAINIAO Logistik grenzübergreifend versenden. Die Versandkosten für das erste Kilogramm betragen ca. 6,80 EUR, die Kosten für jedes zusätzliche halbe Kilogramm sind 2,50 EUR. Die Zollkosten (Parcel Tax) machen 10 % des Bestellwertes aus.

  

 Weitere Kosten und weiterer Aufwand:

 

Dies sind einmalige Entwicklungskosten für die Integration der Schnittstelle zwischen Tmall, OMS sowie dem Warenwirtschaftssystem. Einige Aufgaben müssen vom mandanten-internen IT-Team bzw. der Hausagentur erledigt werden. Diese Faktoren sind nicht umsonst und sollten daher ebenfalls bei der Kalkulation berücksichtigt werden.

 

Personalkosten: auf der Mandantenseite mindestens eine halbe Stelle, idealerweise eine volle Stelle als Projekt Lead. Ein erfahrender Head of China E-Commerce auf der Mandantenseite stellt einen wichtigen Faktor für den Erfolg des Projektes dar. Häufig ist es in Deutschland schwierig, jemanden zu finden, der bereits 3 bis 5 Jahre Erfahrung im chinesischen E-Commerce hat. Das Tmall-Global-Projekt wird häufig neben weiteren Aufgaben von nur einem Manager teilzeitig betreut. Diese mangelhafte Betreuung führt dazu, dass der Tmall-Global-Shop sein Potenzial nicht entfalten kann.

  

Eine von unseren Kompetenzen liegt darin, derartigen Mandanten dabei zu helfen, ihr Tmall zu betreuen bzw. Agenturen in China zu steuern.

Wie sieht es mit den Kosten eines JD.hk-Projektes aus?

Die Kostenstruktur eines JD-Projektes ist sehr ähnlich wie die eines Tmall-Projektes.

 Wenn man mit einem JD- und Tmall-Projekt gleichzeitig startet, dann ergeben sich in vielen Bereichen Synergieeffekte und dadurch können an einigen Stellen Projektkosten gespart werden.

Ist ein eigener Online-Shop für China günstiger?

Es sollte eigentlich nicht so sein. Tmall und JD bieten erstklassige technologische Infrastrukturen für nur bis zu 6 % Provision. Dies ist günstig, aber das Betreiben eines Shops auf Tmall und JD ist sehr teuer, da ausländische Unternehmen dies nur mithilfe einer Agentur schaffen können. Die gesamten Kosten sind aus unserer Sicht für viele kleine Händler zu hoch. Wir können pauschal sagen: Es lohnt sich für einen deutschen Händler (nicht Hersteller!) nicht, einen Tmall- bzw. JD-Shop zu eröffnen, wenn Sie in Deutschland unter 2 Mio. EUR Umsatz online erwirtschaften.

 

Für einige Branchen oder Produktkategorien ist ein eigener Online-Shop mit einer Top Domain zurzeit wirklich eine günstigere Option. Man muss aber immer im Hinterkopf behalten, dass sich das Internetökosystem in China sehr stark vom Rest der Welt unterscheidet. Sollten Sie inhouse einen eigenen Online-Shop entwickeln, dann müssen Sie mit der Herausforderung rechnen, dass die Kosten sicherlich viel höher sind, als am Anfang erwartet wurde. Wir haben in der Vergangenheit einige gescheiterte inhouse E-Commerce-Projekte gesehen und sogar erlebt.

 

Egal ob Tmall oder eigener Shop, zurzeit fehlt wirklich eine kostengünstige Lösung für E-Commerce in China. Jack Ma, Gründer und Präsident der Alibaba Group wird den globalen Online-Handel für die SMUs vereinfachen, aber mit Tmall Global ist dies leider momentan nicht der Fall. Wir beobachten, dass Tmall Global große Händler wie dm, Rossmann, ALDI oder METRO mit mehr Ressourcen unterstützt als deutsche mittelständische Unternehmen. Klar ist, dass Tmall Global gute Referenzen und eine Erfolgsgeschichte braucht. Aber dabei vernachlässigt Tmall immer den Bedarf der mittelständischen Händler.

Fazit

E-Commerce in China bietet viele Chance, der Trend wird auf Dauer anhalten. Aber bevor Sie sich entscheiden, den China-E-Commerce zu starten, sollten Sie sich intensiv mit der Kostenfrage beschäftigen. Sollten Sie dabei Unterstützung brauchen, sprechen Sie uns gerne an.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Web2Asia TMall Partner (Dienstag, 19 Juni 2018 16:30)

    Vielen Dank für die ausführliche Übersicht. Wir sind eine zertifizierte E-Commerce Agentur für alel grossen chinesischen Marktplätze und u.a. ein 5-Sterne Tmall Partner ("TP") für Tmall Global. Bitte kontaktieren Sie uns jederzeit über unsere Webseite http://www.web2asia.com oder unter info@web2asia.com zu Fragen zum Thema China cross-border E-Commerce.