· 

Experteninterview mit Kai Ding für Themen rund um E-Commerce in China

Experteninterview mit Kai Ding, geboren 1984, Geschäftsführer von HAMKAI GmbH mit mehrjähriger Erfahrung im Bereich Online Marketing und Cross-Border E-Commerce in China.

  

KD: Kai Ding, Geschäftsführer von HAMKAI GmbH

 

LG: Lev Gehlmann, Fachhochschule Münster ( Muenster School of Business )

 

LG: Guten Tag, Herr Ding und danke für Ihre Unterstützung. Im Rahmen meiner Bachelorarbeit möchte ich Sie über HAMKAI befragen. Erzählen Sie bitte über Ihr Unternehmen und welche Leistungen HAMKAI als Third Party Service Provider im Bereich Cross-Border E-Commerce China anbietet?

KD: HAMKAI GmbH  hat einen Standort in Hamburg sowie ein lokales Team und Partneragenturen in China. 

Deutsche Unternehmen haben in den meisten Fällen kein klares Bild vom chinesischen Markt und HAMKAI macht Beratung um sie aufzuklären. Wenn nötig sind wir Partner für die Umsetzung im Project Management. HAMKAI übernimmt verschiedene Aufgaben, zum Beispiel: Marktforschung und Marktanalyse, Durchführung von Workshops über eCommerce in China, Online Marketing, vor allem Affiliate-Marketing.

 

LG: Haben Sie im Bereich online Marketing Erfahrungen gemacht mit SEO, Social Media Marketing und Zusammenarbeit mit Influencern?

 

KD: Ja, SEO ist in China schwieriger als in Deutschland. Wir können das Keyword Ranking einer Webseite kontinuierlich überwachen und optimieren. Allerdings kaufen auch Tmall und andere große Player Keywords. (die bieten deutlich höher Preise an, und haben viel mehr Budget als eine Marke)

In China sind andere Social Media Plattformen wichtiger als in Deutschland, wir helfen Marken Ihren Namen und Ihr Image dort zu etablieren.

Wir haben einige Male mit Influencern gearbeitet, aber nicht immer gute Erfahrungen gemacht. Die Influencer müsser gut geprüft werden und es ist schwer ein akzeptables Honorar zu vereinbaren, generell arbeiten sie selten auf Provision. Zum Beispiel im Produktsegment Kosmetik habe ich zuverlässige Influencer, mit denen ich lange arbeite und mit Ihrer Leistung zufrieden bin.

 

LG: Heißt das, dass Sie sie auf das Segment Kosmetik spezialisieren?

KD: -Nein, wir haben keine Spezialisierung und arbeiten mit verschiedenen Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Segmenten. Zur Zeit sind die Segmente, mit den wir arbeiten, vor allem: Nahrungsergänzungsmittel&Lebensmittel, Kostemetik, Apotheke, Automobil, Matratzen (Möbel).

 

LG: Wie kommen Sie zu Ihren Kunden?

KD: HAMKAI macht selten aktive Kundenakquise.  Wir bekomme Anfragen von Unternehmen, die schon an chinesischem Markt interessiert sind und vor allem Beratung und Koordinierung benötigen z.B. bei der Auswahl von Kanälen, Shop Frontend Design. Marketingkampagnen, Sprachencheck, Marketplace Management mit Services wie Content Management, Merchandising(Produktplanung), Bilderbearbeitung, Preisplanung und vieles mehr.

 

LG : Wer übernimmt diese Aufgaben?

KD: HAMKAI hat ein Development Team für Cross-Border Shops. Ich selbst bin hauptsächlich als Koordinator und Berater mit High Level Wissen aktiv.

 

 

LG: Was ist wichtig damit ein Cross-Border Shop bei den chinesischen Endkunden Erfolg hat?

KD: Einer der wichtigen Faktoren ist Promotion. Ohne Rabatte oder andere Promotionen wird in China nicht gekauft. Z.B. sollte es für einen Multibrand-Store so gut wie jeden Tag Promotionen geben für verschiedene Produktgruppen. Außerdem ist Kundenbetreuung wichtig. Wir bieten einen Pre-sales Customer Service über eine Agentur und machen den After-Sales Customer Service selbst, jeweils mit gut geschultem Personal und mit Arbeitszeiten fast bis 16 Stunden pro Tag. 

 

LG: Wie funktioniert das Order Management für Ihren deutschen Kunden?

KD: Daten aus verschiedenen Kanälen, z.B. Tmall und Stand-alone-Shops werden gesammelt und ins deutsche Warenwirtschaftssystem eingespielt. Ab und zu entwickelt HAMKAI Schnittstellen für Stand-alone-shops. Ansonsten ist die IT-Integration sehr komplex und wir haben dafür gute Kontakte zu Third Party Anbieter von IT Services in China, die zum Beispiel passende Best Practice Lösungen bereitstellen. Die Order Management Systeme werden als SAAS angeboten und wir helfen mit der richtigen Vereinbarung, damit man die nötigen Module erhält und z.B. für eine Jahreslizenz zahlt.

 

LG: Wie sieht Ihre Logistiklösung aus?

KD: Für Logistik werden 3PL benutzt. Je nach Projekt sind es verschiedene 3PL, unter anderem DHL und Hermes. Oft kümmern sich unsere Kunden selbst um die Logistik. Nicht selten greifen die Kunden auf die Logistiklösung von TMall oder JD. Ansonsten vermitteln wir gerne eine passende Lösung und kümmern uns um die Implementierung mit dem Logistikanbieter.

 

LG: Wenn Sie die Bestellungen und die Lagerdaten verwalten, agieren sie als Merchant of Record?

KD: HAMKAI ist kein MoR und übernimmt zu keinem Zeitpunkt Eigentum an Produkten. Wir sind Serviceanbieter und arbeiten in viele Fällen auf Provisionsbasis.

 

LG: Arbeiten Sie mit Direktversand oder Versand zum Bonded Warehouse in China?

KD: -Logistik wird meist über Direktversand abgewickelt, weniger mit Bonded Warehouse. Der Vorteil von Direktversand ist die Sendungsverfolgung aus Deutschland, sodass der chinesische Endkunde sicher sein kann, dass seine Ware original ist und tatsächlich aus Deutschland kommt. Immer mehr Chinesen kaufen Produkten aus dem Bonded Warehouse und gewinnen dadurch vertrauen, diese Variante ist schneller und günstiger als Direktversand und der Trend geht meiner Meinung nach in diese Richtung.

 

LG: Gibt es sonst noch Trends im Cross-Border E-Commerce in China?

KD: Ein interessanter Trend ist zum Beispiel das WeChat Miniprogramm. Das ist eine dezentralisierte Lösung im Gegensatz zu den großen Online-Marktplätzen. Hier können zum Beispiel bekannte Influencer direkt auf Ihrer Wechat Seite in einem „Mini-Shop“ verkaufen ohne Provision an Marktplätze zahlen zu müssen.

 

LG: Vielen Dank für das interessante Gespräch!

KD:  sehr gerne.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0